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Mit dem hinkenden Hirt zur Krippe gehen Weihnachtsimpuls von Br. Siegbert Mayer OFMcap Es war einmal ein Hirte, so erzählt eine Legende, der lebte auf einem Feld in der Nähe Betlehems. Er war groß und stark, doch hinkte er und konnte nur an Krücken gehen. Darum saß er meistens mürrisch am Feuer und sah zu, dass es nicht ausging. Die anderen Hirten fürchteten ihn. Als den Hirten in  der Heiligen Nacht der Engel erschien und die Botschaft von der Geburt des Gottessohnes verkündete, da wandte er sich ab. Und als die anderen sich zur Krippe aufmachten, blieb er allein zurück. Er blickte ihnen hinterher, doch murmelte er in seinen Bart:. „Lauft, lauft! Was wird es schon sein? Ein Spuk, ein Traum!“ Nun saß er alleine da. Weder die Schafe noch die Hunde rührten sich. Allein die Stille hörte er. Mit der Krücke stocherte er in der Glut. herum, vergaß, frisches Holz aufzulegen. „Und – wenn es nun doch kein Spuk, kein Traum ist? Wenn es den Engel nun doch gibt?“, so hörte er sich sagen. Er raffte sich auf, nahm die Krücken unter die Arme und humpelte davon, den Spuren der anderen hinterher. Diese Legende ist damit noch nicht zu Ende. Aber ich beginne bereits hier Verwandtschaften zu entdecken: Dieser Hirte kann nicht so mitlaufen wie die anderen; wie die, denen das Glauben und damit das Laufen leicht füllt. Muss man denn nicht misstrauisch sein, ob denn alles wahr sein kann an dieser Botschaft? An dieser unglaublichen Botschaft, dass Gott so viel für uns Menschen übrig hat, dass er in JESUS – in diesem Kind JESUS Mensch wurde – und dass er, der unnahbar heilige Gott von sich aus Friede gemacht hätte mit uns Menschen, „den Menschen seines Wohlgefallens“? Ist das Misstrauen des hinkenden Hirten und der Skeptiker aller Zeiten so unangebracht? Weihnachten kommt manchen, vielen als ein Spuk vor – vielleicht als willkommenes Event, damit man etwas zum Feiern hat. Aber das mit dem Frieden, dem Wohlgefallen Gottes, das sind doch alles nur schöne Phrasen. Nach dem 26. Dezember geht doch alles weiter wie bisher. Spüren wir den Hirten in uns, der da missmutig mit seiner Krücke im Feuer herumstochert und auf einmal doch nicht loskommt von jenem ganz leisen „Vielleicht ist es doch wahr!“. Dieses Kind in der Krippe ist ja nicht Kind geblieben. Es ist als der „geliebte Sohn, an dem der Vater im Himmel sein Wohlgefallen hatte“, als Licht für diese Welt gekommen. Alle Finsternisse menschlicher Abgründe und Bosheit, und alle Löschhörner dieser todverfallenen Welt, vermögen dieses Licht nicht mehr zu löschen. Darum lasst uns – wie der hinkende Hirt – mit unseren Krücken den Hirten nachhumpeln, denen vor 2000 Jahren und seit 2000 Jahren. Jede und jeder hat seine Krücken, braucht sich darob nicht zu schämen, sondern darf damit zur Krippe kommen, so wie unser hinkender Hirt von der Legende endlich zum Stall von Betlehem kam und dort die Krippe fand. Es war bereits der Morgen angebrochen. Ein Duft von fremden Gewürzen hing in der Luft. Der Lehmboden im Stall war von vielen Füßen zertreten. Doch wo waren Maria und Josef und die Hirten und jene fremden, weisen Sterndeuter? Und vor allem, wo war denn das Kind in der Krippe, das vom Engel als „Retter, als der CHRISTUS, der HERR“ angekündigt worden war? Der hinkende Hirt lachte schadenfroh: „Ich hab's ja gewusst: Es gab keinen Engel!" Voll Bitterkeit wollte er umkehren. Doch da entdeckte er im Stroh der Krippe eine kleine Kuhle (auf schwäbisch „Griable"), wo das Kind gelegen hatte. Da wusste er auf einmal nicht mehr, wie ihm geschah. Er kauerte vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aus, dass das Kind ihm nicht zulächelte, dass er den Gesang der Engel nicht hörte und den Glanz Mariens nicht bewundern konnte? Was machte es aus, dass er nun nicht mit den anderen Hirten in Betlehem durch die Straßen zog und von dem Wunder jener Nacht erzählte!? Was ihm widerfahren war, konnte er nicht mit Worten beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer anzünden bevor die anderen Hirten zurückkämen. Doch als er eine Weile gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der Krippe vergessen hatte. Er wollte umkehren. Aber warum denn? Er hatte ja bereits eine ganze Wegstrecke ohne Krücken gehen können. So schritt er denn mit immer festeren Schritten fort ... Befinden wir uns nicht auch in ähnlicher Lage wie unser Hirte? Er kam zur Krippe, und JESUS war nicht mehr da. Wir kommen zur Krippe, und JESUS hat vor 2000 Jahren gelebt. Sind wir nicht auch zu spät gekommen, wie dieser Hirt? Doch was auch uns geblieben ist, ist die kleine „Kuhle", das Nestchen im Stroh: das heißt, die Feier der Geburt unseres HERRN hier bei uns und überall auf der Welt. Der starke Abdruck seines Wortes und seiner Sakramente, die er hinterlassen hat, sind uns bis heute geblieben. Ihr Abdruck wird uns immer wieder befähigen zu glauben, dass der zu Betlehem geborene und auf Golgotha gekreuzigte JESUS lebt und – wenn auch verborgen – „mit uns ist alle Tage bis zum Vollende der Weltzeit“, wie es wörtlich am Schluss des Matthäus-Evangeliums heißt (Mt 28,19). So stimmen wir auch in der Christmette ganz bewusst in den Ruf mit ein: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Erinnern wir uns nochmals an unseren Hirten: Er hatte seine Krücken bei der Krippe vergessen und erst im Nachhinein gemerkt, dass er – von der Krippe herkommend – nun ohne Krücken hatte gehen können. Könnten nicht auch wir „unsere Krücken" an diesem Weihnachtsfest an der Krippe zurücklassen? Dann würde auch uns der „Abdruck JESU“ wieder befähigen mit größerer Festigkeit im Glauben weiterzugehen, ja im Glauben zu wachsen. Der Abdruck im Stroh der Krippe, den der Hirt sah, hat mit dem Zeichen des Kindes zu tun, mit dem Kind JESUS. In diesem Kind ist GOTT wahrhaft der „Immanuel: der Gott mit uns“ geworden. Als Kind ist GOTT uns so nahe gekommen, dass wir ungeniert DU zu ihm sagen dürfen. Er kommt ohne Waffen, weil er nicht von außen erobert, sondern von innen gewinnen will. GOTT hat die Schutzlosigkeit des Kindes angenommen, um uns so zu besiegen und zu uns selbst zu führen (so Papst Benedikt XVI.). Später wird dieser JESUS einmal sagen: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie Kinder, dann könnt ihr nicht ins Himmelreich gelangen. Bei aller Mündigkeit, zu der wir als Menschen kommen müssen, bleiben wir aber doch immer Söhne und Töchter, also Kinder des himmlischen Vaters: immer vertrauend, immer kindlich ergeben von IHM alles erwartend, unser Werden und Vergehen. Von den Hirten in Betlehem und dann auch von den Teilnehmern jener einzigartigen Krippenfeier, zu der der heilige Franziskus 1223 nach Greccio eingeladen hatte, heißt es: Alle kehrten voller Freude nach Haus zurück und lobten GOTT. Ja, warum sollten auch wir uns nicht freuen, da wir einen Vater im Himmel haben, dem nichts zu viel ist für seine Kinder!? Aus solcher Freude grüße und segne ich Euch zur Feier der Weihnacht. Mögt Ihr vom Wunder seiner Liebe erfasst werden, dass Ihr festen Schrittes den Weg des Glaubens im Jahr 2018 weiter gehen könnt.
Hirte bei der Krippe, Franziskanerkirche Dortmund (Foto:  © Br. Peter Fobes OFM)
Franziskus, Krippe in der Franziskanerkirche Dortmund (Foto:  © Br. Peter Fobes OFM)