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Weihnachten ohne Jesus? Impuls zu Weihnachten 2015 von Br. Siegbert Mayer OFMcap ln einem gotischen Schnitzaltar irgendwo in Südtirol befindet sich eine Weihnachtsszene: Der Stall, die Krippe, Ochs und Esel, Maria und Josef – doch das Kind in der Futterkrippe fehlt. Es lst irgendwann im Laufe der Geschichte dieses Kunstwerkes abhandengekommen und spurlos verschwunden und nicht wieder ersetzt worden. Weihnachten ohne JESUS!? Das geht doch nicht! lch denke, da sind wir uns alle einig. Und ob das geht! Beweisen es nicht mehr als genug Feiern, die sich zwar „Weihnachtsfeiern“ nennen, aber JESUS kommt dabei nicht vor, wird nicht einmal genannt. Dass Weihnachten ohne JESUS geht, ist für viele unsere Zeitgenossen schon (fast) normal. Es lässt einen besorgt aufhorchen, ja es macht einen traurig, wenn man in der jüngsten sogenannten  „Shell-Jugendstudie“ zu lesen bekommt, dass seit 2002 bei jungen Katholiken die Zustimmung zur Aussage, der Glaube an Gott sei für die Lebensführung wichtig, kontinuierlich von 51 auf 39 Prozent gesunken ist (Jugendliche anderer Religionen – überwiegend Muslime – halten zu 70 Prozent den Gottesglauben für wichtig). Angesichts solcher Tatsachen dürfen wir uns getrost an den heiligen Franziskus von Assisi und an seine Zeit erinnern, wo es in einem alten Gebet heißt: „GOTT, als die Welt zu erkalten begann, hast Du in Franziskus ein Zeichen deiner Liebe gesandt und in ihm das Bild deines menschgewordenen Sohnes JESUS CHRISTUS aufleuchten lassen.“ So hat Franziskus in jener unvergesslichen Weihnachtsfeier bei dem Dorf Greccio in der Heiligen Nacht 1223 das für viele „schlafende Kind JESUS“ zu neuem Leben erweckt. Die Botschaft ist jedes Jahr dieselbe – auch Weihnachten 2015. Und wir dürfen durch die Botschaft des Engels „euch ist heute der Retter geboren; ER ist der Messias, der Herr“ (Lk 2,11) uns die leere Krippe gleichsam wieder „füllen“ lassen. Was aber, wenn uns der Glaube an diese Deutung fehlt, wenn das Kind in der Krippe zugedeckt ist mit Sorgen und Fragen (oder auch nur von Geschenken)? Was, wenn der Glaube an JESUS, den menschgewordenen Sohn GOTTES, abhanden gekomrnen ist im Trubel unserer Lebensgeschichte mit ihren Niederlagen und Rückschlägen? Was tun, wenn ich das Kind in der Krippe zwar sehe, aber in ihm nicht den Retter, den Messias, den HERRN meines Lebens sehen kann? Also Weihnachten ohne JESUS!? Entschuldigung  – das geht nicht! ln meiner Kindheit, so mag manche und mancher denken, war solcher Glaube einfach da. Und was heute noch da ist, ist die Erinnerung an eine Geborgenheit im Glauben – damals, lang ist es her. Lassen wir doch das von damals aufleben – nicht nur so, wie einmal in der Weihnachtsbeilage der Augsburger Allgemeinen alte Menschen nach ihren Weihnachtserinnerungen befragt wurden. Lassen wir vielmehr unsere Glaubenserinne- rungen wach werden – in der Heiligen Nacht 2015. Und legen wir dann diese Erinnerungen hinein in die Krippe, lassen wir doch ganz bewusst die kindliche Seite unseres erwachsenen Wesens zu – der heilige Franz hätte seine Freude daran. Diese kindliche Seite heißt Sehnsucht nach Geborgenheit und Angenommensein, Sehnsucht nach Umsorgtwerden und Geliebtwerden, Sehnsucht nach Zuwendung trotz Fehler und Schwächen, trotz Abwendung und Untreue. Das will das „Kind“ in uns Erwachsenen. Es ist wahrlich nicht die schlechteste Seite unseres Wesens: das Kind im Manne, das Kind in der Frau! Ob GOTT deshalb als Kind angefangen hat uns zu erlösen? Jedenfalls spricht das Kind in der Krippe eine klare Sprache. Sie ist so deutlich, dass sie eigentlich jeder verstehen kann. Und sie ist eine Botschaft, die uns aufzurichten vermag. Ein Kind will und kann nichts erzwingen. Freilich ist und bleibt dieses göttliche Kind der Messias, der HERR. Und einmal werden wir ihn anerkennen müssen – so oder so. Aber für jetzt ist die Kindsgestalt SEIN Zeichen. ER kommt als Kind. Es ist leicht, ein Kind aufzunehmen. Und wer es jetzt nicht tut, der muss sich schämen, wie man sich vor einem Kind schämt, dessen Vertrauen man enttäuscht, dessen Hilflosigkeit man ausnutzt. Still und gering will ER kornmen und sich uns anvertrauen. Dies schließt aber auch in sich, dass es noch leichter sein wird, IHN zu übersehen, ja IHN zu verstoßen. ER weiß, dass nicht nur die verschlossenen Herbergen von Bethlehem, die Soldaten des Herodes, der Hass des Hohen Rates und der Kuss des Judas ihn in dieser Welt erwarten, sondern auch das Herz und der Schoß der Jungfrau Maria, die Liebe seiner Kirche, die Tapferkeit seiner Blutzeugen, die Freude des heiligen Franziskus und WIR armen Sünder, die zu suchen und selig zu machen ER gekommen ist. Legen wir darum wieder unsere sog. „Kindseite“ in die Krippe. Das Kind in der Krippe ist ein Spiegel für alle Sehnsüchte unserer Seelen und ein Zeichen dafür, dass GOTf diese Sehnsüchte kennt und erfüllen will. JESUS, der menschgewordene Sohn GOTTES, sagt uns wieder aufs Neue: Du bist nicht mehr allein, denn ich teile mit dir das Menschsein. Du bist gewollt und geliebt. Meine Zuwendung gilt dir an diesem Weihnachtsfest 2015 und darüber hinaus bis hinein in deinen letzten Atemzug. So grüße ich Sie von der Krippe unseres HERRN her. Euer Bruder Siegbert
Franziskus begeht in der Höhle von Greccio eine Krippenfeier (Fresko in der Höhle der Krippenfeier/ Foto: © Raymund Fobes)

Die Heilige Familie (Glasfenster in der Kirche von

Greccio/Bild: © Raymund Fobes)