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Sei DU die Kraft,
HEILIGER GEIST
Geistliches Wort zu Pfingsten von Br. Siegbert Mayer OFMcap
Als JESUS, der Auferstandene, am Abend des Ostersonntags durch die verriegelten Türen in die Mitte seiner verängstigten Jünger trat, da hauchte er sie an, heißt es im Johannesevangelium, und sprach zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist“ (Joh 20,22). So wurde die Geburtsstunde der Kirche vorbereitet. Denn das Heilswirken GOTTES an seiner Menschheit sollte sich durch alle Zeiten fortsetzen im Wirken der Kirche. Aber diese Kirche ist nicht eine von Menschen gemachte Organisation zur Glaubensverbreitung, sondern sie kommt zum Leben und wird am Leben erhalten, weil der Auferstehungsgeist JESU Menschen anrührt und sich in Menschen verschenkt. Dieses „Empfangt den Heiligen Geist“ ist und bleibt die Grundstruktur der Kirche durch die ganze Weitzeit. So feiern wir an Pfingsten durch die Ausgießung des Heiligen Geistes gleichsam den Geburtstag der Kirche. In alle geistlosen und zerstörerischen Mächte hinein schenkt GOTT seinen Geist, den Beistand, den Tröster, den Lebendigmacher, den Mutbringer, den Versöhnenden .… 
Eigentlich ist es selbstverständlich, sich für Geschenke zu bedanken. Darum erfährt sich Kirche am intensivsten als dankende Versammlung, was ja „Eucharistia=Danksagung“, eben unsere Eucharistiefeier. zum Ausdruck bringt. Kirche ist dankende Gemeinde, weil sie aus dem „Empfangt Heiligen Geist“ lebt. Und darum muss zu erkennen sein, dass sie GOTTES GEIST mehr traut als anderen „Geistern“.
GOTT ist in unserer Mitte; das bereden wir nicht nur. Wir essen und trinken IHN in uns hinein, diesen GOTT, der sich in JESUS CHRISTUS an uns verschenkt und durch seinen GEIST kreativ lebensspendend ist (siehe: „Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein!“).
Kirche durfte sich – von ihrer Geburtsstunde an im Brechen und Austeilen des Brotes der Eucharistie erkennen. Denn der sich in diesem Brot verschenkt ist der Immanuel, der GOTT MIT UNS, der die Seinen nicht verwaist zurücklässt, sondern bei ihnen bleibt bis zur Vollendung der Weltzeit.  Wenn empfangenes Leben so weit gewachsen ist, dass es Zeit für die Geburt ist, dann will dieses Leben zur Welt kommen. Das ist der zweite Urvorgang, der die Kirche bestimmt. Die Geburtsstunde der Kirche ist ihr Zur-Welt-kommen.
Deshalb müssen die Jünger und Jüngerinnen Jesu raus aus dem Schutzraum hinter den verschlossenen Türen, den sie gesucht hatten. Petrus fängt damit an, dass er die erste Pfingstpredigt auf dem Marktplatz von Jerusalem hält. Das Evangelium ist für die ganze Welt bestimmt. Das Miteinander und Füreinander der Christen wird entgrenzt zu einer weltweiten Solidarität. Das „Empfangt den Heiligen Geist“ des Auferstandenen ist Auftrag an die Seinen: „Geht bis an die Grenzen der Erde, geht in alle Welt und überbringt, was ich euch zum Austeilen gegeben habe: Brot und Frieden“. Wenn sich JESUS CHRISTUS als Sohn Gottes nicht zu schade war Erdenbewohner und Weltbürger zu werden, dann muss auch seine Kirche in die Welt und zur Welt kommen. So haben auch die Brüder und Schwestern der Franziskanischen Gemeinschaft ihren Platz mitten in der Welt und bei den Menschen. „Euer Kloster ist die Welt“, sagte der heilige Franziskus. Unser neuer Papst Franziskus hat es sehr deutlich ausgesprochen: „Wenn die Kirche nicht aus sich herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, wird sie selbstbezüglich und dann wird sie krank.... Die Kirche darf keine ‘Babysitter- Kirche‘ sein, die sieh nur darum kümmert, die Menschen einschlafen zu lassen“.
Die Welt hat ‘Zuwachs‘ bekommen durch die Geburt der Kirche. Und weil wir, das heißt alle Getauften, die Kirche JESU CHRISTI sind, ist das ein Zuwachs an Leben und Lebendigkeit. Wenn das so ist, dann müsste man von uns – natürlich auch von uns als Franziskanische Gemeinschaft –sagen: Schön, dass es euch gibt! Wir geben euch nicht mehr her! Nicht wegen irgendwelcher Superprogramme und Großveranstaltungen, wie Katholikentage und Weltjugendtage, nicht weil die Kirche aus unserem kulturellen Erbe nicht wegzudenken ist, wegen ihrer prachtvollen Kirchen und ihrer unvergänglichen Kirchenmusik, ihrer Sozialleistungen und und …, sondern weil man bei ihr und durch sie spürt: GOTT ist da, GOTT ist der GOTT MIT UNS, der die Antwort auf die Sehnsucht der Menschen nach Leben ist. Denn „die Welt ist allemal eine Nummer zu klein geraten, um die unendliche Sehnsucht eines Menschen stillen zu können“, das spürte auch der atheistische Dichter Kurt Tucholsky. Die Welt mit allen möglichen Sortimenten aus ihren Traumfabriken vermag meist von der Sehnsucht nur das Sehnen zu streichen, und die Sucht bleibt übrig.
Der Zuwachs, der die Kirche für die Welt ist, muss ein Zuwachs an Leben — und letztlich an Leben über den Tod hinaus –sein, weil Leben das Grundanliegen JESU war und ist: „Ich, der gute Hirt, kenne meine Schafe und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen“ (Joh 10,27-28).
„Wir sind Kirche!“ Dieser Ruf ist allenthalben zu vernehmen und hat oft den Unterton der Aufmüpfigkeit gegenüber der sogenannten Amtskirche. Es ist doch unser Glück. dass wir Kirche sind, als Getaufte zusammen mit den Hirten, die ja alle zuerst und zuletzt auch Getaufte sind. Weil wir Kirche sind durch Jesu „Empfangt den Heiligen Geist“ können wir nicht aufhören zu rufen:
Sei Du die Kraft
Wenn uns die Kräfte verlassen
 Sei Du die Kraft, Heiliger Geist
Wenn uns Krankheit schwächt
Sei Du die Heilung, Heiliger Geist
Wenn uns Fragen plagen
          Sei Du die Antwort, Heiliger Geist
Wenn uns Sorgen quälen
Sei Du die Zuversicht, Heiliger Geist
Wenn alles hoffnungslos erscheint
Sei Du ein neuer Anfang, Heiliger Geist
Wenn der Tod naht
Sei Du das Leben, Heiliger Geist
Die Kraft GOTTES segne und sende uns die Kraft des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Euer Bruder Siegbert
Sendung des Heiligen Geistes Relief am Marienberg beim von den Franziskanern betreuten Wallfahrtsort Neviges, Erzbistum Köln) Bild: © Raymund Fobes
Im Eucharistischen Brot verschenkt sich Christus, der „Gott mit uns – Immanuel“ Bild: © Raymund Fobes
„Euer Kloster ist die Welt“, sagt Franziskus Bild: © Raymund Fobes