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HERR, unsere tägliche Liebe gib uns heute Impuls von P. Siegbert Meyer OFMcap Eine Wesensart des heiligen Franziskus von Assisi benennt sein Biograph Thomas von Celano einmal so: „Franziskus lebte in der Hoffnung, immer wieder einen neuen Anfang setzen zu können.“ Und so legt er es seinen Brüdern, kurz vor seinem Tod, noch einmal eindringlich ans Herz: ,,Beginnen wir, dem HERRN, unserem GOTT, zu dienen, denn bisher haben wir wenig oder gar keinen Nutzen daraus gezogen." Es kam ihm nicht einmal der Gedanke, das Ziel schon erreicht zu haben. Und da er unermüdlich dem Vorsatz zu heiliger Erneuerung treu blieb, hoffte er immer wieder von vorne beginnen zu können … Wenn wir jedes Jahr im September unsere Jubilarinnen und Jubilare feiern und ehren und ihnen für jahrzehntelange Treue in ihrer franziskanischen Berufung danken, so bedeutet dies wahrlich nicht ein Fertigsein, nicht das Erreichen einer Quasi- Vollkommenheit, sondern ganz schlicht „Lasst uns trotz unserer Schwachheit mit GOTTES Gnade und Kraft wieder anfangen!“ Denn jeder Tag ist eine neue Berufung! Das war gleichsam das Lebensprinzip des heiligen Franziskus; gegründet auf einer großen Gottesliebe und im festen Vertrauen auf einen GOTT, dessen Wesen Liebe und Barmherzigkeit ist. Oft leiden Menschen unter den Vorstellungen eines strafenden, grausamen, ja gar rachsüchtigen Gottes. Franziskus predigt den verzeihenden GOTT den er nicht müde wird zu preisen: „ER allein ist gut, zärtlich, sanft, lieblich, süß!“ Das ist die Sprache eines Verliebten. Die Liebe schafft in Franziskus jenes unerschütterliche Vertrauen, das ihn jeden Tag neu beginnen lässt. Die Liebe macht ihn zu einem schöpferischen Menschen, der trotz aller Last des Lebens, die ja auch Franziskus nicht erspart blieb, offen sein lässt für die Zukunft. Darum darf man mit der Liebe nie fertig sein, sonst tötet man sie. Wenn man zu jemanden sagt, mit dir bin ich „fertig“, dann ist das ja auch wie ein kleines Todesurteil. Papst Franziskus hat bei einer Begegnung mit jungen Paaren, die sich auf die Ehe vorbereiten, am 14. Februar 2014, dem Valentinstag, gesagt: ,,Mir fällt das Wunder der Brotvermehrung ein. Auch bei euch kann der HERR eure Liebe vermehren und euch schenken, dass sie ieden Tag frisch und gut ist. ER hat einen unendlichen Vorrat davon! lm Gebet des „Vater unser“ sagen wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute." Die Eheleute können lernen, auch so zu beten: ,,HERR, unsere tägliche Liebe gib uns heute", denn die tägliche Liebe der Eheleute ist das Brot, das wahre Brot, das ihnen hilft, voranzugehen." (Und dann hat er die jungen Paare auf dem Petersplatz eingeladen, mit ihm es gleich auszuprobieren und zu beten: ,,HERR, unsere tägliche Liebe gib uns heute". lst das nicht auch eine gute Übung in und für unsere franziskanische Berufung, ganz gleich ob man verheiratet ist oder nicht?! Die Bereitschaft zu lieben ist einzig eine Herzensangelegenheit, wie es treffend eine kleine Begebenheit aus den Anfängen des Franziskusordens überliefert. Eines Tages sagte Bruder Agidius - er war noch Weggefährte des Franziskus gewesen - zum Ordensgeneral Bonaventura, dem damals schon berühmten Theologen: ,,Dir hat GOTT viele Gnaden verliehen. Was aber können wir Ungelehrten, Einfältigen für unser Heil tun?" Bonaventura gab ihm zur Antwort:  „Hätte GOTT einem Menschen nur die eine Gnade verliehen, ihn zu lieben – das genügt " Darauf Ägidius: ,,Kann denn ein Nichtstudierter GOTT genauso lieben wie ein Studierter?" Bonaventura erwiderte: ,,Ein altes Mütterchen kann ihn mehr lieben als ein Magister der Theologie." Da sprang Agidius ganz begeistert auf, lief zur Stadtseite des Gartens und rief über die Klostermauer zur Stadt hinunter: ,,Armes Mütterchen, ungelehrt und einfältig, lieb GOTT den HERRN – und du kannst größer sein als der gelehrte Bruder Bonaventura.“ Der Herr segne Euch. Er erfülle Eure Herzen mit Zärtlichkeit und Eure Augen mit Lachen. Er erfülle Eure Ohren mit Musik und Eure Nase mit Wohlgerüchen. Er erfülle Euren Mund mit lubel und Euer Herz mit Freude. Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben. So segne uns der liebende, getreue Gott, Euer Bruder Siegbert
Franziskus zeigt in der Vogelpredigt seine Liebe zur Gottes Schöpfung, Darstellung in der Chiesa nuova in Assisi       (Bild: © Raymund Fobes)
Bruder Ägidius segnet Perugia. Der Gefährte des heiligen Franziskus lebte später als mystisch begabter Einsiedler in Monteripido oberhalb von Perugia. Er gehörte nicht zu den Gebildeten wie Bonaventura, aber gerade durch seine tiefe Christusliebe strahlte er mindestens genau so viel an christlicher Weisheit aus wie sein Bruder Bonaventura (Foto: © Raymund Fobes)